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Selbstdisziplin: Was ich in 6 Jahren veganer Rohkost über Ambition, Balance und echte Stärke gelernt habe

„Strebe nach Höherem!" – und ich tat es. Sechs Jahre vegane Rohkost, extreme Arten von Fasten, sportliche Höchstleistungen. Was mich diese Zeit gelehrt hat über den Unterschied zwischen Ambition, die trägt, und Ambition, die zu viel wird.

Eine wichtige Klarstellung vorab

Dieser Text handelt nicht von Autoaggression und ist keine Fortsetzung des Blogposts #11.

Das ist ein fundamental anderes Thema, das ich in einem anderen Artikel behandelt habe.

Dieser Text handelt von etwas, das auf den ersten Blick vollkommen anders aussieht: Von Ehrgeiz. Von Ambition. Von dem Wunsch, etwas Großes zu erreichen, sich zu verbessern, über sich hinauszuwachsen.

Er handelt davon, wie diese grundsätzlich konstruktiven Impulse durch falsch verstandene Selbstdisziplin zu einem Mechanismus werden können, der dich systematisch erschöpft – nicht weil du dich hasst, sondern weil du glaubst, noch mehr aus dir herausholen zu müssen.

Meine Geschichte mit Selbstdisziplin

Es gab mal eine Zeit in meinem Leben, in der ich Selbstdisziplin falsch verstanden hatte. Über viele Jahre hinweg verlangte ich mir zu viel ab.

Ich interpretierte spirituelle Lehren mit großer Ernsthaftigkeit. Ich setzte mir hohe Ideale in der Ernährung. Ich nahm an sportlichen Marathons teil. Ich meditierte stundenlang. Ich fastete – nicht nur regelmäßig, sondern intensiv.

Sechs Jahre lang ernährte ich mich ausschließlich von veganer Rohkost. Nicht gelegentlich. Nicht überwiegend. Ausschließlich. Und das war wunderbar. Die Rohkost gab mir unglaublich viel – Klarheit, Energie, Vitalität. Innerhalb dieser wunderbaren Ernährungsweise hatte ich auch Phasen intensiven Fastens. Ich machte Erfahrungen mit Trockenfasten – eine Praxis, bei der nicht nur auf Nahrung, sondern auch auf Flüssigkeit verzichtet wird.

Warum tat ich das?

Ich wollte noch gesünder werden. Noch klarer. Noch energievoller. Noch reiner.

Ich glaubte, dass ich nur durch extreme Disziplin eine höhere Version meiner selbst erreichen könnte. Dass ich damit Zugang zu Ebenen von Bewusstsein, Gesundheit und Leistungsfähigkeit finden würde, die anderen verschlossen bleiben.

Und in gewisser Weise funktionierte es – zunächst.

Was mir diese Ambition gebracht hat

Diese Strenge mit mir selbst verschaffte mir tatsächlich enorme Vorteile. Und ich bin stolz darauf. Sehr stolz sogar.

Ich wurde außergewöhnlich gut in vielen Bereichen meines Lebens. Ich entwickelte Fähigkeiten, die mir bis heute zugutekommen und die mich von vielen anderen unterscheiden.

Ich erinnere mich wortwörtlich an Dinge, die Menschen vor Jahrzehnten gesagt haben. Mein Gedächtnis ist außergewöhnlich detailgenau. Ich kann oft noch nach Jahren präzise rekonstruieren, wie sich bestimmte Ereignisse zugetragen haben – nicht nur inhaltlich, sondern mit einer Detailschärfe, die andere überrascht.

Meine Beherrschung von Grammatik und Sprache ist meisterhaft. Ich kann komplexe linguistische Strukturen nicht nur verstehen, sondern auch vermitteln. Meine Arbeit als Sprachtrainerin profitiert noch heute von dieser Präzision.

Dieser Ehrgeiz, diese Detailgenauigkeit, diese Fähigkeit zur Selbstdisziplin – sie bescherten mir beruflichen Erfolg. Sie ermöglichten mir Leistungen, auf die ich durchaus stolz bin.

Sechs Jahre Rohkost – eine wertvolle Zeit

Ich ernährte mich sechs Jahre lang ausschließlich von veganer Rohkost. Und ich bin immens stolz darauf, dass ich das durchgezogen habe.

Damals wollte ich andere Frauen dazu bewegen, mitzumachen. Sie sagten nein. Es war ihnen zu anstrengend. Sie wollten nicht auf so viel verzichten.

Heute – im gleichen Alter – haben diese Frauen ungefähr zwanzig Mal so viele gesundheitliche Beschwerden wie ich. Natürlich kann das auch genetisch bedingt sein. Aber es ist doch einen Gedanken wert, oder?

Ich möchte wieder Rohkost essen. Nicht als strenges Dogma, aber als bewusste Praxis. Die Zeit der Rohkost war wertvoll. Sie hat mir unglaublich viel gegeben.

Die gesundheitlichen Vorteile waren real. Die mentale Klarheit war real. Die Energie war real.

Die Rohkost selbst war ein Geschenk.

Das eigentliche Problem: Wenn zu viele Höchstleistungen gleichzeitig stattfinden

Das Problem war die Kombination.

Ich übertrieb es nicht nur mit der Rohkost. Ich übertrieb es gleichzeitig mit:

• Sport (80 Kilometer Radfahren an einem Tag)
• Arbeit (ständige Höchstleistung)
• Meditation (stundenlang)
• Spirituellen Praktiken
• Perfektionismus in jedem einzelnen Lebensbereich

Mein Leben wurde zu stressig. Und hier ist die entscheidende Erkenntnis:

Stress und Rohkost vertragen sich nicht gut.

Und ein gutes Leben und zu viel Stress vertragen sich auch nicht gut.

Die Rohkost hätte funktioniert – wenn ich nicht versucht hätte, in allen anderen Bereichen gleichzeitig auf Höchstleistung zu fahren.

Der Sport hätte funktioniert – wenn ich nicht gleichzeitig eine extreme Ernährungsform praktiziert hätte.

Die Meditation, die Arbeit, die spirituellen Praktiken – alles für sich genommen wertvoll. Aber alles gleichzeitig auf Maximum? Das war zu viel.

Was dann geschah: Die Plandemie und die Depression

Es endete nicht mit einem körperlichen Zusammenbruch.

Es endete mit der Plandemie. Mit den damit verbundenen Einschränkungen. Mit einer depressiven Verstimmung, die trotz der Rohkost passierte – nicht wegen ihr.

Ich hatte eine Art Depression bekommen, die von starker Antriebslosigkeit geprägt war. Nicht, weil mein Körper zusammenbrach. Sondern weil die äußeren Umstände sich radikal veränderten und mein hochdiszipliniertes System keine Flexibilität mehr hatte, um sich anzupassen.

Ich musste erst wieder lernen, kleine Schritte, die ich machte, wertzuschätzen.

Nicht die spektakulären Höchstleistungen. Sondern die normalen, alltäglichen Schritte eines funktionierenden Lebens.

Die eigentliche Lektion

Die Lektion war nicht: "Rohkost ist falsch" oder "Selbstdisziplin ist gefährlich".

Die Lektion war: Wenn du in zu vielen Bereichen gleichzeitig auf Höchstleistung fährst, wird das System irgendwann instabil.

Und wenn dann äußere Umstände sich ändern – wie es in der Plandemie geschah –, fehlt die Resilienz, um damit umzugehen.

Der starke Fokus auf eine einzelne Disziplin kann dich voranbringen.

Aber der starke Fokus auf alle Disziplinen gleichzeitig kann dich aus der Balance werfen.

Alles muss im Einklang geschehen – nicht alles gleichzeitig auf Maximum.

Selbstdisziplin ist kein Wettbewerb – aber sie braucht Prioritäten

Das ist die Einsicht, die ich damals nicht hatte, die ich aber heute mit Klarheit sehe:

Selbstdisziplin ist kein Wettkampf.

Sie ist kein Mittel, um dich gegen andere zu behaupten. Sie ist kein Werkzeug, um dich selbst zu übertrumpfen. Sie ist ein Werkzeug, um in Einklang mit deinen wahren Zielen und Werten zu leben.

Aber – und das ist die Erkenntnis, die ich brauchte – Selbstdisziplin braucht Prioritäten.

Ich habe mich nie an anderen gemessen. Das war nie mein Antrieb. Ich wollte nicht besser sein als andere Menschen.

Was ich wollte, war in allen Dingen gleichzeitig das Beste geben. In jedem Bereich meines Lebens. Gleichzeitig.

Ich war schon immer vielseitig interessiert und begabt. Und ich konnte nicht sehen, was wichtiger war. Ich konnte keine Prioritäten setzen.

Ich wollte mich in allen Dingen und Aspekten gleichzeitig verbessern.

Die Rohkost gab mir die Energie dazu... anfangs.

Ich dachte: "Ich kann in jeder Disziplin das Beste machen. Ernährung? Perfektion. Sport? Höchstleistung. Meditation? Stundenlang. Arbeit? Brillant. Spiritualität? Tiefgreifend."

Was ich nicht sah – was ich nicht sehen wollte – waren meine eigenen Umstände. Meine eigenen Grenzen. Die Tatsache, dass wenn ich faste, ich nicht gleichzeitig 80 Kilometer radeln sollte. Dass ich nicht gleichzeitig wissenschaftlich arbeiten oder unterrichten kann, wenn mein Körper in einem Fastenzustand ist.

Ich wollte vielleicht so gut sein wie meine Vorbilder – die großen Yogis, die spirituellen Meister, die ich bewunderte. Aber ich übersah dabei, dass diese Menschen oft einen Fokus hatten. Einen Lebensbereich, dem sie sich widmeten.

Ich versuchte, in allen Bereichen gleichzeitig auf diesem Niveau zu sein.

Und das funktioniert nicht. Nicht nachhaltig.

Der Unterschied zwischen konstruktivem Streben und überforderter Vielseitigkeit

Wie unterscheidet man gesunde Selbstdisziplin von der überfordernden Variante?

Gesunde Selbstdisziplin:

Dient klaren Prioritäten – du weißt, was gerade wichtig ist, und richtest deine Energie danach aus.

Respektiert Inkompatibilitäten – du erkennst, dass manche Praktiken nicht gleichzeitig auf Höchstniveau funktionieren (Fasten + 80 km Radfahren).

Bleibt flexibel und passt sich veränderten Umständen an, ohne das Kernziel aufzugeben.

Sieht die eigenen Umstände realistisch – nicht wie du gerne wärst, sondern wie die Realität tatsächlich ist.

Berücksichtigt das Gesamtsystem – sie opfert nicht systematisch einen Bereich für einen anderen.

Erlaubt sequenzielle Meisterschaft – erst dies, dann das, nicht alles gleichzeitig.

Überfordernde Vielseitigkeit:

Versucht alles gleichzeitig – alle Bereiche sollen auf höchstem Niveau sein, zur selben Zeit.

Ignoriert Inkompatibilitäten – "Ich kann doch beides! Ich muss nur disziplinierter sein!"

Kann keine Prioritäten setzen – alles erscheint gleich wichtig, also wird alles gleichzeitig verfolgt.

Blendet die eigenen Umstände aus – was theoretisch möglich wäre, muss auch praktisch gehen.

Nutzt Energie als Täuschung – "Solange ich noch Energie habe, kann ich weitermachen."

Kennt kein sequenzielles Vorgehen – Meisterschaft muss in allen Bereichen gleichzeitig erreicht werden.

Ich lebte jahrelang nach dem zweiten Muster. Und ich hielt es für möglich, weil ich so vielseitig begabt war.

Die psychologische Dimension: Warum wir zu viel auf einmal wollen

Warum tun Menschen sich das an? Warum versuchen sie, in allen Bereichen gleichzeitig Höchstleistung zu erbringen?

Die Antworten sind vielfältig – und oft unbewusst:

1. Vielseitige Begabung und Interessen

Manche Menschen sind in vielen Bereichen begabt. Sie interessieren sich für Ernährung und Sport und Spiritualität und intellektuelle Arbeit und kreative Prozesse.

Und weil sie in all diesen Bereichen Potenzial haben, glauben sie, sie müssten all dieses Potenzial gleichzeitig ausschöpfen.

2. Die Unfähigkeit, Prioritäten zu setzen

Wenn alles gleich wichtig erscheint, wie entscheidest du dann, was zuerst kommt? Wenn du dich für Rohkost und Meditation und Sport und wissenschaftliche Arbeit gleichermaßen begeisterst – warum solltest du dich für eines entscheiden?

Also versuchst du, alles zu machen. Gleichzeitig. Auf höchstem Niveau.

3. Das Streben nach Vorbildern

Viele hochdisziplinierte Menschen orientieren sich an Vorbildern. An den großen Meistern ihrer Disziplinen. An Menschen, die Außergewöhnliches erreicht haben.

Was sie dabei oft übersehen: Diese Vorbilder hatten meist einen Fokus. Einen Lebensbereich, dem sie alles andere unterordneten.

Wenn du versuchst, in allen Bereichen gleichzeitig so gut zu werden wie verschiedene Meister in ihren jeweiligen Disziplinen – überforderst du dich systemisch.

4. Die Energie, die täuscht

Hier ist etwas Wichtiges: Am Anfang funktioniert es oft.

Die Rohkost gab mir enorme Energie. Diese Energie ließ mich glauben, dass ich tatsächlich alles gleichzeitig machen kann. Sport, Meditation, Arbeit, spirituelle Praktiken – alles auf höchstem Niveau.

Und für eine Weile ging es auch. Die Energie war da. Die Leistung war da.

Aber Energie ist nicht unendlich. Und irgendwann – besonders wenn äußere Umstände sich ändern – reicht sie nicht mehr.

5. Das Ausblenden der eigenen Umstände

Das war bei mir zentral: Ich wollte meine eigenen Umstände häufig nicht sehen.

Ich sah nicht, dass Fasten und 80 Kilometer Radfahren an einem Tag nicht kompatibel sind. Ich sah nicht, dass intensive geistige Arbeit und extremer Sport gleichzeitig meinen Körper überfordern.

Ich wollte es nicht sehen. Weil es bedeutet hätte, Prioritäten zu setzen. Etwas aufzugeben. Und das wollte ich nicht.

Die größte Selbsttäuschung war nicht, dass ich mich mit anderen verglich.

Die größte Selbsttäuschung war, dass ich glaubte, ich könnte in allen Dingen gleichzeitig Meisterschaft erreichen – ohne Prioritäten, ohne Fokus, nur mit genug Disziplin.

Was ich heute anders mache

Heute – nach Jahren der Reflexion, des Lernens, des Korrigierens – habe ich ein fundamental anderes Verhältnis zu Selbstdisziplin.

Ich habe sie nicht aufgegeben. Ich praktiziere sie anders.

1. Ich frage nach dem "Warum"

Bevor ich mir eine disziplinierte Praxis auferlege, frage ich: Warum tue ich das? Wem dient es? Entspringt es meinen authentischen Werten – oder einem Bedürfnis, etwas zu beweisen?

Wenn die Antwort "um besser zu sein als andere" oder "um mir selbst zu beweisen, dass ich es kann" lautet – dann ist es die falsche Motivation.

2. Ich respektiere Grenzen

Ich habe gelernt, Erschöpfung nicht als Schwäche zu interpretieren, sondern als Information. Mein Körper spricht zu mir – und ich höre zu.

Das bedeutet nicht, dass ich bei der ersten Anstrengung aufgebe. Es bedeutet, dass ich zwischen produktiver Herausforderung und destruktiver Überforderung unterscheide.

3. Ich integriere statt zu isolieren

Ich optimiere nicht mehr einzelne Lebensbereiche auf Kosten anderer. Wenn eine Praxis meine Beziehungen, meine Freude oder meine Gesundheit systematisch beeinträchtigt – dann ist sie nicht wert, fortgesetzt zu werden, egal wie diszipliniert sie ist.

4. Ich erlaube mir "Genug"

Das war die härteste Lektion: zu akzeptieren, dass es einen Punkt gibt, an dem weitere Steigerung nicht mehr Fortschritt ist, sondern Selbstsabotage.

Genug Schlaf. Genug Nahrung. Genug Ruhe. Genug Leistung.

"Genug" ist kein Versagen. Es ist Weisheit.

5. Ich pflege Flexibilität

Rigidität ist brüchig. Flexibilität ist resilient.

Ich halte an meinen Kernwerten fest – aber ich passe meine Praktiken an veränderte Lebensumstände an. Das ist keine Schwäche. Es ist Intelligenz.

Für wen ist dieser Text?

Wenn du dich in meiner Geschichte wiedererkennst – wenn du jemand bist, der sich über vernünftige Grenzen treibt, nicht aus Selbsthass, sondern aus Ehrgeiz –, dann ist dieser Text für dich.

Wenn du glaubst, dass du nur durch außergewöhnliche Leistung wertvoll bist. Wenn du Ruhe als Schwäche interpretierst. Wenn du dich ständig mit anderen oder deiner eigenen Vergangenheit misst. Wenn du das Gefühl hast, dass "genug" keine Option ist.

Dann lade ich dich ein, deine Beziehung zu Selbstdisziplin zu hinterfragen.

"Selbstdisziplin ist keine Frage von härter oder weicher.
Sie ist eine Frage von klug oder überfordernd.
Und manchmal ist die klügste Entscheidung, nicht alles gleichzeitig zu wollen."

Der Reifeprozess: Von der Strenge zur Weisheit

Ich mache mir heute keinen Vorwurf dafür, dass ich es damals nicht besser wusste. Ich hatte nicht die Perspektive, die ich jetzt habe. Ich hatte nicht die Erfahrung, die zeigt, wohin extreme Strenge führt.

Dieser Reifeprozess war notwendig. Er war schmerzhaft – aber er hat mich gelehrt, was ich heute weiß:

Wahre Meisterschaft liegt nicht in der Fähigkeit, dir selbst das Unmögliche abzuverlangen.

Wahre Meisterschaft liegt in der Fähigkeit, das Richtige zu tun – im richtigen Maß, zur richtigen Zeit, aus den richtigen Gründen.

Das klingt einfach. Es ist es nicht.

Es erfordert mehr Weisheit, zu wissen, wann man aufhören sollte, als zu wissen, wie man weitermacht.

Es erfordert mehr Mut, "genug" zu sagen, als immer noch eine Runde draufzulegen.

Es erfordert mehr Selbstkenntnis, die eigenen Grenzen zu respektieren, als sie permanent zu überschreiten.

Praktische Reflexionsfragen

Wenn du dein eigenes Verhältnis zu Selbstdisziplin überprüfen möchtest, stelle dir diese Fragen:

Über deine Prioritäten:

• Warum tue ich, was ich tue? Dient es meinen authentischen Werten?

• Kann ich sagen, was gerade am wichtigsten ist – oder erscheint mir alles gleich wichtig?

• Versuche ich, in mehreren Bereichen gleichzeitig Höchstleistung zu erbringen?

• Habe ich Bereiche, in denen ich bewusst "gut genug" akzeptiere, um in anderen exzellent zu sein?

Über Inkompatibilitäten:

• Sehe ich, dass manche Praktiken sich nicht gut kombinieren lassen? (z.B. Fasten + intensive körperliche Arbeit)

• Ignoriere ich körperliche oder mentale Signale, weil ich glaube, mit genug Disziplin müsste es gehen?

• Gibt es Momente, wo ich denke "Ich müsste beides schaffen können" – obwohl die Realität etwas anderes zeigt?

Über deine Vielseitigkeit:

• Bin ich in vielen Bereichen begabt und interessiert?

• Fällt es mir schwer, mich für einen Fokus zu entscheiden, weil ich in allem gut sein möchte?

• Habe ich das Gefühl, dass ich mein Potenzial verschwende, wenn ich nicht alles gleichzeitig ausschöpfe?

Über deine Energie:

• Hatte ich anfangs viel Energie, die mich glauben ließ, ich könne alles gleichzeitig machen?

• Lässt diese Energie nach – besonders wenn äußere Umstände sich ändern?

• Brauche ich überdurchschnittlich lange, um mich von Phasen hoher Aktivität zu erholen?

Über dein "Genug":

• Gibt es einen Punkt, an dem ich sagen kann: "In diesem Bereich ist es gut, wie es ist"?

• Oder denke ich immer: "Ich könnte noch besser sein, noch mehr tun, noch intensiver praktizieren"?

• Kann ich sequenziell vorgehen – erst dies meistern, dann das – oder muss alles gleichzeitig perfekt sein?

Der Weg zu einer ausbalancierten Selbstdisziplin

Wie kommst du von überfordernder Vielseitigkeit zu fokussierter Selbstdisziplin?

Schritt 1: Bewusstmachung

Erkenne das Muster. In wie vielen Bereichen versuchst du gleichzeitig, Höchstleistung zu erbringen? Dokumentiere ehrlich: Was machst du alles, wie intensiv, und wie viel Energie kostet es dich wirklich?

Schritt 2: Erkenne Inkompatibilitäten

Welche deiner Praktiken vertragen sich nicht gut? Wo versuchst du Dinge zu kombinieren, die eigentlich getrennt voneinander besser funktionieren würden?

Fasten und intensive körperliche Arbeit? Rohkost und extremer Stress? Wissenschaftliche Höchstleistung und körperliche Extrembelastung?

Schreibe auf, wo du Unvereinbares vereinen willst – und nenne es beim Namen.

Schritt 3: Setze Prioritäten

Das ist der schwierigste Schritt: Entscheide, was gerade am wichtigsten ist.

Nicht: "Was ist theoretisch alles wichtig?" Sondern: "Was hat jetzt, in dieser Lebensphase, Vorrang?"

Vielleicht ist es die Ernährung. Dann wird der Sport moderater. Vielleicht ist es die berufliche Entwicklung. Dann werden spirituelle Praktiken sanfter. Vielleicht ist es die Regeneration. Dann wird alles andere zurückgefahren.

Du kannst sequenziell Meisterschaft erreichen. Du musst nicht alles gleichzeitig meistern.

Schritt 4: Sieh deine Umstände realistisch

Höre auf, deine eigenen Umstände auszublenden.

Wenn du wenig Schlaf bekommst, kannst du nicht gleichzeitig sportliche Höchstleistung erbringen. Wenn du fastest, solltest du nicht gleichzeitig intellektuelle Marathons laufen. Wenn äußere Umstände stressig sind (wie in der Plandemie), kannst du nicht alle deine Praktiken auf gleichem Niveau halten.

Das ist keine Schwäche. Das ist Realität.

Schritt 5: Etabliere Anpassungsfähigkeit

Lerne, deine Praktiken an veränderte Umstände anzupassen. Nicht deine Werte, aber deine Methoden.

"Im Moment ist Rohkost perfekt für mich." Und zu einem anderen Zeitpunkt: "Im Moment brauche ich etwas anderes, weil meine Lebensumstände sich geändert haben."

Das ist keine Inkonsistenz. Es ist Weisheit.

Schritt 6: Akzeptiere sequenzielles Wachstum

Du wirst nicht in allen Bereichen gleichzeitig Meisterschaft erreichen. Und das ist gut so.

Vielleicht bist du jetzt in der Ernährung exzellent und im Sport moderat. In fünf Jahren vielleicht umgekehrt. Und das ist vollkommen in Ordnung.

Sequenzielles Wachstum ist nachhaltiger als simultane Perfektion.

Wenn du professionelle Unterstützung brauchst

Dieses Muster zu durchbrechen ist komplex. Es ist tief verwurzelt. Es fühlt sich oft wie Identitätsverlust an, wenn du es loslässt.

Es kann hilfreich sein, diesen Prozess nicht allein zu gehen.

Im Coaching arbeite ich mit Menschen, die – wie ich damals – aus Ehrgeiz über ihre Grenzen gehen. Die glauben, dass sie nur durch außergewöhnliche Leistung wertvoll sind. Die nicht wissen, wie sie aufhören sollen, ohne das Gefühl zu haben, zu versagen.

Wir arbeiten daran, ein gesundes Verhältnis zu Leistung, Ehrgeiz und Selbstdisziplin zu entwickeln – eines, das dich nicht auslaugt, sondern trägt.

Erkennst du dich in dieser Dynamik wieder?

Im Coaching entwickeln wir gemeinsam ein Verständnis von Selbstdisziplin, das auf klaren Prioritäten und realistischer Selbsteinschätzung basiert – nicht auf dem Versuch, in allen Bereichen gleichzeitig Meisterschaft zu erreichen.

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Zum Schluss

Selbstdisziplin ist eine wertvolle Fähigkeit. Sie ermöglicht Wachstum, Entwicklung, die Verwirklichung großer Ziele.

Aber sie ist kein Selbstzweck. Und sie ist kein Wettbewerb.

Die Frage ist nicht: "Wie viel kann ich mir abverlangen?"

Die Frage ist: "Was dient meinem authentischen Leben – und was untergräbt es?"

Ich habe Jahre gebraucht, um das zu verstehen. Ich habe meinen Körper an Grenzen getrieben, die nicht nachhaltig waren. Ich habe geglaubt, dass Härte Tugend ist.

Heute weiß ich: Wahre Stärke liegt nicht darin, dich über deine Grenzen zu treiben. Wahre Stärke liegt darin, deine Grenzen zu kennen – und sie zu respektieren.

"Die größte Disziplin ist nicht, in allem gleichzeitig perfekt zu sein.
Die größte Disziplin ist, zu wissen, was jetzt Priorität hat."

Selbstdisziplin braucht Fokus, nicht Unendlichkeit.

Sie ist ein Werkzeug, um in Einklang mit deinem authentischen Leben zu kommen.

Und manchmal – oft sogar – ist die mutigste Form der Selbstdisziplin, zu sagen: "Nicht jetzt. Nicht alles gleichzeitig."


— Amy Lang