Die Antwort ist da. Sie war schon immer da. Du hast sie nur unter Schichten von Vernunft und Erwartung begraben.
Vor einiger Zeit saß eine Frau bei mir und sagte: „Ich weiß einfach nicht, was ich will."
Ich fragte sie: „Wenn niemand zusehen würde – keine Familie, keine Kollegen, niemand – was würdest du dann tun?"
Sie antwortete sofort. Ohne zu zögern. In einem einzigen Satz.
Dann verstummte sie. Schaute mich an. Und sagte leise: „Oh. Ich wusste es. Die ganze Zeit."
Die verborgene Wahrheit
Nach all den Jahren, in denen ich Menschen begleite, bin ich überzeugt: Die meisten wissen sehr genau, was sie wollen. Sie haben es nur gelernt zu verstecken – so gut, dass sie es manchmal selbst nicht mehr finden.
Warum verstecken wir unsere eigenen Antworten?
Weil die Wahrheit Konsequenzen hat. Weil sie unbequem ist. Weil sie bedeuten könnte, dass wir etwas ändern müssten. Und so begraben wir sie unter Schichten von Vernunft und Anpassung.
Unter dem „Ich sollte dankbar sein" – für den Job, die Sicherheit, das Leben, das andere sich wünschen würden.
Unter dem „Ich muss realistisch bleiben" – schließlich hat man Verantwortung, Verpflichtungen, Menschen, die sich auf einen verlassen.
Unter dem „Was würden die anderen denken" – wenn ich plötzlich etwas anderes wollte als das, was ich immer gesagt habe.
Die Stimmen, die überlagern
Da ist die Stimme der Vernunft. Sie sagt: „Sei realistisch. Du hast Rechnungen zu bezahlen. Du kannst nicht einfach..."
Diese Stimme hat oft recht – mit den Fakten. Aber sie verwechselt „schwierig" mit „unmöglich". Sie nutzt die Logik als Waffe gegen die Sehnsucht.
Da ist die Angst vor der Enttäuschung. „Was, wenn ich es versuche und scheitere? Dann habe ich alles aufgegeben – für nichts."
Aber du bist schon enttäuscht. Jeden Tag ein bisschen, wenn du etwas tust, das sich fremd anfühlt. Die Frage ist nur, welche Enttäuschung du wählst: die stille, schleichende – oder die laute, ehrliche, die immerhin einen Versuch enthält.
Und da sind die Erwartungen der anderen. Die Bilder, die sie von dir haben. Die Rollen, in die du hineingewachsen bist. „Meine Eltern wären enttäuscht. Mein Partner würde es nicht verstehen."
Aber du lebst dein Leben. Und die meisten Menschen sind so sehr mit ihrem eigenen beschäftigt, dass sie weniger über dich nachdenken, als du glaubst.
In schamanischen Traditionen gibt es das Verständnis, dass wir im Laufe des Lebens „Seelenteile" verlieren können. Nicht durch dramatische Ereignisse, sondern durch das langsame Abspalten dessen, was nicht erwünscht war.
Das Kind, das lernt, seine Wünsche zu verstecken. Der Jugendliche, der aufhört zu träumen. Der Erwachsene, der vergisst, was er einmal wollte.
Diese Teile sind nicht verloren. Sie warten nur darauf, zurückgeholt zu werden.
Den Zugang wiederfinden
Es gibt Wege zurück zu diesem verborgenen Wissen. Sie führen nicht über mehr Analyse, mehr Listen, mehr Nachdenken. Sie führen über Stille, Ehrlichkeit und die Bereitschaft, der ersten Antwort zu vertrauen – der, die kommt, bevor der Verstand eingreift.
Manchmal genügt eine einzige Frage, ehrlich gestellt: Was würde ich tun, wenn niemand zusehen würde?
Oder: Wenn ich mir vorstelle, in fünf Jahren noch genau hier zu sein – wie fühlt sich das an?
Die Antworten kommen meist schnell. Es ist das, was danach geschieht, das entscheidend ist: ob wir sie zulassen oder sofort wieder zudecken.
Auch der Körper kennt die Wahrheit. Er kann nicht lügen wie der Verstand. Wenn du bei dem Gedanken an eine Möglichkeit spürst, wie sich etwas weitet – Aufregung, Lebendigkeit, ein Ja trotz Angst – dann ist das ein anderes Zeichen als das dumpfe Schwere, das kommt, wenn du ans Bleiben denkst.
Wenn die Antwort kommt – und unbequem ist
Manchmal kommt die Antwort, klar und deutlich. Und wir möchten sie nicht hören. Weil sie Veränderung bedeutet. Weil sie Konsequenzen hat. Weil wir noch nicht bereit sind.
Das ist menschlich. Die Antwort zu kennen bedeutet nicht, sofort handeln zu müssen. Es bedeutet nur, aufzuhören, sich selbst etwas vorzumachen.
Der Unterschied zwischen „Ich weiß nicht, was ich will" und „Ich weiß es – aber ich bin noch nicht bereit" ist gewaltig. Das eine hält dich im Nebel. Das andere ist der Anfang von Klarheit.
Der erste Schritt
Du musst heute nichts Großes tun. Keine Kündigung, keine Trennung, keine Revolution.
Der erste mutige Schritt ist oft nur ein ehrliches Gespräch. Mit dir selbst vielleicht, in den Morgenstunden, mit einem Stift und einem Blatt Papier. Oder mit jemandem, dem du vertraust – nicht um Rat zu bekommen, sondern um deine Wahrheit einmal laut auszusprechen.
Das Aussprechen verändert etwas. Es macht die Sache real. Weniger beängstigend. Greifbarer. Möglicher.
Und dann zeigt sich meist auch der nächste Schritt. Man muss nicht den ganzen Weg sehen. Nur den nächsten Stein, auf den man treten kann.
Die Antwort ist da. Sie war schon immer da.
Nicht in einem Buch. Nicht bei einem Experten. Nicht in einer Methode.
In dir.
Du musst sie nur zulassen.
Du kennst deine Antwort – und suchst Begleitung für das, was kommt?
Im Coaching schaffen wir einen Raum, in dem du deine Wahrheit aussprechen kannst – und Schritt für Schritt in Handlung verwandelst.
Gespräch vereinbaren— Amy Lang